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Internetschnäppchen: Vorzeitiger Auktionsabbruch kann zu Schadensersatzforderungen führen

Vorsicht bei Internetauktionen. Stellen Sie ein teures Produkt für ein Mindestgebot von 1 € zur Versteigerung ins Internet, müssen Sie sich unter Umständen daran festmachen lassen.

Ein privater Verkäufer hatte seinen Gebrauchtwagen bei eBay zum Verkauf angeboten und ein Mindestgebot von 1 € festgesetzt. Ein Bieter beteiligte sich an der Auktion. Er bot kurz nach Beginn der eBay-Auktion zunächst 1 € für den Pkw und setzte zusätzlich seine Preisobergrenze von 555,55 € fest. Dann brach der Verkäufer die eBay-Auktion ab. Er teilte dem Bieter mit, er habe außerhalb der Auktion einen Käufer gefunden, der bereit sei, 4.200 € zu zahlen. Damit war der Bieter allerdings nicht einverstanden – er begehrte Schadensersatz wegen Nichterfüllung des nach seiner Ansicht wirksam zu einem Kaufpreis von 1 € geschlossenen Kaufvertrags. Schließlich war er der bei vorzeitigen Beendigung der Auktion mit 1 € der Höchstbietende. Da der Pkw einen realen Wert von 5.250 € hatte, beanspruchte er somit Schadensersatz in Höhe von 5.249 €. Und das zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte. Für den BGH war der Kaufvertrag nicht wegen einer Sittenwidrigkeit nach § 138 Abs. 1 BGB nichtig. Bei einer Internetauktion lässt ein grobes Missverhältnis zwischen dem Maximalgebot des Käufers und dem eigentlichen Wert des Versteigerungsobjekts nämlich nicht ohne weiteres auf eine verwerfliche Gesinnung des Bieters schließen. Denn schließlich macht es gerade den Reiz einer Internetauktion aus, den Auktionsgegenstand zu einem Schnäppchenpreis zu ersteigern.

Hinweis: Dass das Fahrzeug letztlich zu einem Preis von 1 € verkauft worden war, beruhte auf der freien Entscheidung des Verkäufers. Schließlich hatte er den Wagen für diesen Mindestpreis bei eBay eingestellt.

Quelle: BGH, Urt. v. 12.11.2014 – VIII ZR 42/14